Die psychedelische Reise geht weiter.

Lange habe ich geschwiegen hier auf The Sweetest Noise, doch nun ist der Sommerschlaf vorbei, denn es gibt viel Neues zu berichten. Und mit den grössten, großartigsten News platzen wir gleich zu Beginn heraus: das grösste, großartigste, wunderbarste, mysteriöseste Musikprojekt aller Zeiten hat wieder gekreißt: Mater Suspiria Vision!

Nein, ich bin nicht immer so enthusiastisch. Aber Cosmotropia de Xam mit seinen diversen Musik/Videoprojekten ist sowas wie eine der letzten Lichtgestalten einer im Krautrock fußenden psychedelischen Reise, die noch immer andauert, noch immer nicht langweilig geworden ist und deren Ende hoffentlich noch lange nicht abzusehen ist.

Wie dieser Künstler als Ein-Mann-Projekt mit seinen liebevoll gestalteten Produkten überleben kann, ist mir ein Rätsel – bei dem kontinuierlichen Fluss konstant hochwertiger Releases auf Phantasma Disques mit diesen wunderbaren Covern bleibt ihm (und uns Bewunderern) nur zu wünschen, dass dies ewig so bleiben möge.

Paracusia (Crack Witch 2)” heisst das neue Werk von Mater Suspiria Vision, und ja, es ist wieder unbestreitbar ein Meisterwerk. Gekonnt verbindet die Musik die bewährten, liebgewonnenen Tugenden der Kosmischen Musik, des Witch House und der himmlischen Todes-Sleaziness eines Riz Ortolani oder Fabio Frizzi mit den mäandernden Drones von La Monte Young und seinem “Theater of Eternal Music”.

Doch die für neue Variablen sorgenden Soundzellen der vergangenen Releases haben sich inzwischen geteilt und vermehrt – der weibliche Stimmanteil hat zugenommen und dominiert auf “Paracusia” in beeindruckender Art und Weise. Noch immer denke ich dabei an die surrealen Deklamationen von Gille Lettman (Cosmic Jokers), oder die wunderbare Rosi Müller, der die Supergroup Ash Ra Tempel mit ihrer LP “Starring Rosi” einen würdigen Tribut zollte.

Während die genannten Damen ihre Botschaften eher als Gedichte vortrugen, wird bei dem neuen MSV-Release aber auch richtig gesungen, und während die Cosmic Jokers und Ash Ra Temple eher in kosmische Psychedelik abdrifteten, ist der musikalische Background von “Paracusia” viel sinistrer; die einzelnen Riffs entfalten sich zu majestätischer Grösse und sorgen für ein Gefühl, als ob die Apokalypse vor der Tür stünde (oder auch schon passiert wäre). Besonders gefreut hat euer Bloghost sich über den letzten Track “Trip 2013” –  denn dieser führt wieder in eine verzwickte Parallelwelt, die Lewis Carroll ersonnen haben könnte. In bester Ghost Drone-Tradition treibt MSV mich damit in lachenden Wahnsinn.

***

Viele Produzenten heften ja heute so gerne wieder das Krautrock-Banner auf ihre Musik, weil es anscheinend noch immer als cool gilt wenn man die Motorik und den Spirit von Can oder Neu! in seinen Releases verinnerlicht hat. Zumindest sollen wir Rezensenten das wohl glauben – die Wahrheit ist, dass man gerade diese Ideale heute wohl nur schwerlich erreicht und das auch gar nicht mehr tun sollte (ich will jetzt auf keinen konkreten Releases herumhacken, ausser vielleicht auf den beiden BEAK>-Veröffentlichungen von Geoff Barrow, weil die dermassen langweilig und öde sind); ich würde eher empfehlen, auf den Wegen in den musikalischen Dschungel weiterzuforschen, die Genies wie Czukay und Co. vor Jahrzehnten ins Dickicht gehaut haben. Cosmotropia de Xam demonstriert dies vorbildlich auf “Kosmische Puppen” mit seinem Nebenprojekt Pwin Teaks And The Children Of The New H; als Inspiration dienten hier wohl eher die nur wirklichen Krautrock-Insidern bekannten Damenbart und Zweistein (glücklich der Sammler, der diese megararen Platten in seinem Schrank stehen hat), zumindest was die äusserliche Form betrifft – der musikalische Inhalt ist hingegen originär im allerwahrsten Sinne.

Schlußendlich möchte ich noch auf einen Release hinweisen, der in Kürze auf Phantasma Disques erscheinen wird – PROSYMNA mit “Broken Water Of Mykines”. Ein französisches Projekt, welches ich irgendwo im Darkwave-Bereich einordnen wurde? Schwer zu beschreiben, recht kräftige, dunkle Synthlinien treffen auf eine sehr faszinierende Stimme (die Sängerin nennt sich Emi und ist auch auf einem Track der neuen MSV-Platte zu hören), macht euch am besten selbst einen Eindruck mit dem folgenden Video.

Alle besprochenen Releases könnt ihr hier bestellen.

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Eine Antwort zu Die psychedelische Reise geht weiter.

  1. Arkis schreibt:

    lets go … schön, das es hier etwas weitergeht,
    herzlichste Grüße aus dem schwarzen Wald.

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