Bye Bye Voyager

Wenn man Science Fiction-Fan ist und ein gewisses Alter erreicht hat, kann es einem passieren, dass man gewisse Raumsonden wie menschliche Wesen betrachtet. Mich berührt es z.b. immer besonders, etwas über die Voyager-Sonden zu lesen. An den aufregenden Start im Jahr 1977 kann ich mich noch erinnern, ebenso an die fantastischen Fotos, die später immer wieder in Zeitungen und Zeitschriften aufgetaucht sind.

Und die Voyager-Schwestern haben immer wieder meine Imagination angeheizt: Wenn schon die Menschheit nicht in absehbarer Zeit durchs All reisen kann, dann durften das wenigstens diese beiden. Und die gigantischen Entfernungen, welche die NASA-Geschwister dabei zurückgelegt haben, sind eigentlich kaum vorstellbar.

An Bord haben beide Sonden jenen berühmten Golden Record – eine Datenplatte, auf der sich diverse Mediendateien befinden, die etwaigen Ausserirdischen erklären sollen, wer wir Menschen sind und wo sich die Erde befindet. Erstellt wurde sie von einem Team unter der Leitung des legendären Carl Sagan, mit zum Beraterstab gehörten auch berühmte Science Fiction-Schriftsteller wie Isaac Asimov, Robert Heinlein und Arthur C. Clarke.

Die Voyager-Sonden sind längst in der Pop-Kultur verewigt; man denke nur an Vger im ersten Star Trek-Kinofilm, an Raumschiff Voyager und an diverse Auftritte in Mondbasis Alpha oder sogar Akte X. Wichtig für mich waren sie auch aus einem ganz anderen Grund: Mittels ihrer vielfältigen Meßinstrumente machten sie die Musik des Universums hörbar.

Im Jahr 1992 erwarb ich eine CD-Box mit dem Titel Symphonies Of The Planets -  The NASA Voyager Recordings; auf den enthaltenen fünf CDs vereinigten sich die Interaktion des Solarwindes mit der Erdmagnetosphäre, umhersausende Radiowellen, der Lärm des elektromagnetischen Feldes der Erde und das Wechselspiel aufgeladener Partikel im Umfeld diverser Himmelskörper zu einem Gesamtsound, der entfernt an die elektronische Avantgarde erinnerte, meistens aber doch recht andersweltlich berührte. Eignete sich damals auch super als Grundlage, um interessante Drones zu basteln.

Voyager 1 verlässt nun schön langsam unser Sonnensystem, derzeit fliegt die tapfere Forscherin bereits durch die äussersten Schichten, Voyager 2 folgt ihr in einigem Abstand hinterher. Bei beiden Sonden wurden die meisten Systeme bereits abgeschaltet; dank ihrer Radionuklidbatterien haben aber beide nach wie vor sporadischen Funkkontakt zur Bodenstation auf der Erde. In spätestens fünf Jahren wird Voyager 1 die Grenze zum interstellaren Raum überschreiten. Welche undenkbaren Wunder des Universums werden sie dann wohl erwarten?

Die Musik des Universums – Auschnitt aus CD Nr. 2 der ‘Symphonies Of The Planets’

Die CD-Box ist seit Ende der 1990er-Jahre vergriffen. Digital kriegt man sie hier oder hier.

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